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Ernährung bei MS: Die besten Tipps

Nach der MS-Diagnose rückt die Ernährung in den Fokus

Die Diagnose ist niederschmetternd: MS (Multiple Sklerose). Das Leben verändert sich, die MS-Schübe kommen in unregelmäßigen Abständen, aber sie kommen immer häufiger. Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Krankheit, die das zentrale Nervensystem angreift. Betroffen sind das Gehirn, das Rückenmark und die Sehnerven. Allein in Deutschland sind über 200.000 Menschen an MS erkrankt. Zu 70 Prozent sind es Frauen. Die Nervenkrankheit beginnt meistens im Alter zwischen 20 und 40 Jahren, sie verläuft schubweise und ist nicht heilbar.

Aber: So betrüblich die Diagnose MS anfangs auch ist, Sie können damit leben. Sie sind nicht ausgegrenzt aus der Gesellschaft, Sie können einen Beruf ausüben und eine Familie haben. Sie müssen nur lernen, wie man mit der Krankheit umgeht. Es gibt moderne medikamentöse Therapieansätze, mit denen MS gut zu behandeln ist. Wichtig ist, die Schübe zu verhindern, das Fortschreiten der Krankheit zu stoppen oder zu verlangsamen und den Beginn einer Behinderung zu verzögern. Eine ganz große Rolle spielt dabei die Ernährung. Wir wollen Ihnen die besten Tipps geben, wie Sie mit einer zielgerichteten und gesunden Ernährung die Multiple Sklerose positiv beeinflussen können.

Die Darmflora spielt bei MS eine große Rolle

Nach Erkenntnissen der Medizinforscher A. Haghikia (Neurologische Klinik, St. St. Josef-Hospital der Ruhr Universität Bochum) und R. A. Linker (Neurologische Klinik, Universitätsklinikum Erlangen), spielen unsere veränderten Lebensbedingungen bei der Zunahme der Nervenkrankheit MS eine wichtige Rolle. Seit einiger Zeit wurde vor allem die Bedeutung des Darmes für die Problematik einer MS-Erkrankung erkannt. Eine Forschergruppe um Eile Cekanaviciute an der University of California verglich die Darmbakterien von 71 MS-Patienten und 71 gesunden Menschen. Das Ergebnis: Bei MS-Kranken waren die Bakterienarten „Akkermansia munciniphila“ und „Acinetobactar calcoaceticus“ sehr viel stärker vertreten als bei Gesunden. Im Tierversuch bestätigte sich: Diese Bakterien erzeugten bei Mäusen MS-ähnliche Symptome. Die Darmflora spielt also bei der Entstehung der Nervenkrankheit MS eine Rolle. Und die Darmflora wiederum wird bestimmt durch unsere Nahrungsmittel.

Eine vollwertige Ernährung kann vor Multipler Sklerose schützen

An MS erkranken besonders häufig Menschen in den industriell hoch entwickelten Ländern der gemäßigten Klimazonen. Also bei uns. Und bei uns sind fett-, öl- und zuckerhaltige Lebensmittel wie Käse, Butter, Fleisch, tierische Fette (Schmalz) und Wurst ein fester Bestandteil der Ernährung. Dazu kommen noch zuckerhaltige Backwaren wie Kekse, Torten und Kuchen, so wie zuckerhaltige Getränke. Daher liegt die Vermutung nahe, dass unsere Nahrungsmittel und Lebensgewohnheiten die Entstehung der Krankheit Multiple Sklerose begünstigen können.

Was also sollen Sie essen, wenn Sie selbst erkrankt sind, wie sollen Sie kochen, wenn bei einem Familienmitglied MS diagnostiziert wurde? Wenn Sie unter MS leiden, dann sollten Sie eine ausgewogene und vollwertige Ernährung bevorzugen. Das ist ganz einfach: Viel Obst und frisches Gemüse, das nur kurz gekocht wird. Viel Fisch, dafür wenig Fleisch und Fett. Ihre Ernährung sollte vorwiegend aus Vollkornprodukten bestehen. Das gilt für Brot, Mehl, Reis, Nudeln und Haferflocken. Diese Produkte sollten Sie in der Vollkornstufe täglich zu sich nehmen. Damit bekommt der Körper genügend Ballaststoffe und gesättigte Kohlenhydrate, dafür so gut wie kein Fett. Das ist keine langweilige Ernährung, denn die Auswahl ist groß. Bei den Nudeln sollten Sie die Variante aus vollwertigem Hartweizen ohne Eier bevorzugen. Auch Reis ist nicht gleich Reis, der Vollkornreis ist allen anderen Reissorten an Ballaststoffen, Stärke, Vitaminen und Mineralien überlegen.

Obst und Gemüse bremsen die MS-Schübe ab

Bei einer MS-Therapie spielen Obst und Gemüse eine große Rolle. Sie enthalten in hohen Dosierungen Vitamin C, Vitamin E, Kupfer, Zink und Beta-Karotin. Diese Vitalstoffe stärken das Immunsystem und haben eine entzündungshemmende Wirkung. Das bremst die MS-Schübe ab. Für die Ernährung bei MS sind wichtig: Nüsse und Samen, eiweißreiche Hülsenfrüchte, gezüchtete Pilze und vor allem Gemüsesorten die einen hohen Anteil an Kalzium haben. Das sind: Broccoli, Grün- und Weißkohl, Lauch, Mangold, Fenchel und Pastinaken. Wenn Sie Ihren Speiseplan noch mit täglich einer Handvoll Nüsse oder Samen anreichern, dann unterstützen Sie den Kampf Ihres Immunsystems gegen die Multiple Sklerose mit der richtigen Ernährung.

Das ist auch wichtig: Kochen Sie möglichst schonend und mit niedrigen Temperaturen. Und steigen Sie um von Salz und Zucker auf frische Kräuter und Gewürze.

Bei MS brauchen Sie ungesättigte Fettsäuren und ausreichend Flüssigkeit

Kommen wir zum Thema Fett. Die medizinische Forschung ist sicher, dass ungesättigte Fettsäuren bei der Bekämpfung von MS sehr wichtig sind. Die Krankheit wird durch die Entzündung der fetthaltigen Myelinzellen in Gehirn und Rückenmark hervorgerufen. Diese aber brauchen zur Regeneration eben diese Zellen. Fehlen sie, dann wird MS gefördert und immer schlimmer. Deshalb sollten Sie so oft wie möglich hochwertiges, kalt gepresstes Olivenöl verwenden. Die ungesättigten Fettsäuren finden wir auch in Fischen, wie zum Beispiel Makrele, Hering, Lachs, Rotbarsch und Kabeljau.

Bei einer vorliegenden Erkrankung sollten Sie täglich etwa zwei Liter Flüssigkeit zu sich nehmen: Mineralwasser, Fruchtsaftschorle, frisch gepresste Säfte, Früchte- oder Kräutertee. Wenn die MS ruht, dann können Sie hin und wieder ein Glas Wein trinken. Während eines MS-Schubs dagegen herrscht absolutes Alkoholverbot. Das gilt auch, wenn Sie mit Kortison behandelt werden.

Vermeiden Sie Arachidonsäure in der Ernährung

In Regionen, in denen viel Fleisch, Butter, Käse, Sahne und Wurst regelmäßig in großen Mengen verzehrt wird, kommt es generell zu mehr MS-Erkrankungen als in Regionen, in denen traditionell mehr Fisch, Gemüse, Nudeln, Reis und Pflanzenöl verzehrt werden. In den zuerst genannten Regionen nehmen die Menschen nämlich mit den tierischen Lebensmitteln viel mehr Arachidonsäure auf. Die ist Ausgangssubstanz für entzündungsfördernde Botenstoffe, die wiederum können an der Entstehung von MS beteiligt sein.

Besonders viel Arachidonsäure ist in Eigelb, Fleisch, Innereien, Butter und Haut (Kruste beim Schweinsbraten, kross gebratene Geflügelhaut) enthalten. Pflanzliche Nahrungsmittel sind generell frei von der Arachidonsäure. Grundsätzlich positiv wirken bei einer Multiplen Sklerose die Omega 3-Fettsäuren, die im Fischöl enthalten sind. Pflanzenöle wie Raps- oder Leinöl wirken sich ebenfalls positiv aus. Wenn Sie Ihre Ernährung auf eine vorwiegend pflanzliche Kost umstellen, dann kommt es zu einem Absinken der Arachidonsäure im Körper. Wenn dann einige Monate vergangen sind, wurde die überschüssige Arachidonsäure abgebaut. Das macht sich aber frühestens nach etwa zwei Monaten bemerkbar. Der Abbau setzt sich dann etwa zwei Jahre lang fort. Deshalb ist es wichtig bei MS die Ernährung auf Dauer umzustellen.

So wichtig ist Vitamin E bei Multipler Sklerose

Noch ein wichtiger Punkt bei der Entstehung der Multiplen Sklerose ist, dass Vitamin E im Blut von MS-Kranken meistens zu niedrig ist. Vitamin E kann problemlos über die tägliche Ernährung von einem an MS erkrankten Patienten aufgenommen werden. Den durchschnittlichen Tagesbedarf finden Sie beispielsweise in:

  • 250 g mit Olivenöl angerichtetem Tomatensalat
  • 600 g gekochtem Wirsingkohl
  • 175 g Studentenfutter mit Erdnüssen
  • 60 g frischen Erdnüssen oder Mandeln
  • 25 g Sonnenblumenöl

 

Sehr oft hört man, der Umstieg auf eine rein vegetarische oder gar vegane Ernährung sei bei einer Erkrankung durch Multiple Sklerose und bei Entzündungen im Nervensystem unbedingt zu empfehlen, andere Meinungen gehen jedoch davon aus, dass geringe Mengen an tierischen Produkten nicht schädlich seien und zudem die Versorgung mit wichtigen Vitaminen und Spurenelementen sicherstelle. Den Konsum von tierischen Fetten konsequent zu reduzieren, ist auf jeden Fall angeraten.

Am besten probieren Sie einfach aus, wie es Ihnen damit geht, sich vollkommen pflanzlich zu ernähren und halten dazu auch Rücksprache mit Ihrem Arzt.

 


Bildquelle: Pixabay

 

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