Medikamente & Hitze: So schützen Sie Ihre Hausapotheke im Sommer
Hohe Temperaturen, direkte Sonneneinstrahlung und eine hohe Luftfeuchtigkeit können die Qualität von Arzneimitteln beeinträchtigen. Deshalb ist die richtige Lagerung gerade an heißen Sommertagen mit hohen Temperaturen entscheidend. Starke Sommerhitze kann auch die Art und Weise beeinflussen, wie der Körper auf bestimmte Wirkstoffe reagiert. Wir haben wertvolle Tipps zur Medikamentenaufbewahrung im Sommer für Sie zusammengetragen und erklären, welche Arzneimittel und Darreichungsformen besonders hitzeempfindlich sind.
- Warum kann Hitze Medikamenten schaden?
- Hitzeschäden bei Medikamenten erkennen
- Welche Arzneiformen reagieren besonders empfindlich auf Hitze?
- So lagern Sie Ihre Hausapotheke richtig
- Welche Medikamente dürfen bei Hitze tatsächlich in den Kühlschrank?
- Kann Hitze die Medikamentenwirkung beeinflussen?
- FAQ zu Medikamente und Hitze
Warum kann Hitze Medikamenten schaden?
Das Bundesgesundheitsministerium[1] weist darauf hin, dass Arzneimittel stets vor Licht geschützt und möglichst in der Originalverpackung aufzubewahren sind. Je nach Darreichungsform sowie Art der Wirk- und Hilfsstoffe reagieren Medikamente unterschiedlich empfindlich auf Wärme, Licht und Feuchtigkeit. Verpackung und Beipackzettel geben Orientierung: Je nach Präparat wird entweder die Aufbewahrung bei Raumtemperatur (zwischen 15 °C und 25 °C), eine Lagerung unter einer vorgegebenen Höchsttemperatur oder die gekühlte Lagerung empfohlen.
Wichtig: Kühlpflichtige Arznei gehört in den Kühlschrank, aber nicht ins Gefrierfach. Medikamente, die bei Raumtemperatur gelagert werden sollen, dürfen nicht vorsorglich in den Kühlschrank gelegt werden, da Kälte und Feuchtigkeit ihnen ebenfalls schaden können.
Hitzeschäden bei Medikamenten erkennen
Sind Arzneimittel längere Zeit starker Hitze oder zu hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt, beispielsweise durch Lagerung im Auto, im Kühlschrank oder auf der Fensterbank in der aufgeheizten Wohnung, können sichtbare Veränderungen auftreten:
- Gele, Cremes und Salben: Geruchs- und Konsistenzveränderungen, Trennung der Bestandteile
- Tabletten: Risse, Verfärbung sowie eine bröselige oder aufgequollene Konsistenz
- Kapseln: Verformung oder Zusammenkleben einzelner Kapseln
- Tropfen & Lösungen: Trübung, Flockung, Ablagerungen oder Verfärbung
Auch ein äußerlich unverändertes Medikament kann durch falsche Lagerung an Qualität oder Wirksamkeit verloren haben. Verwenden Sie Arzneimittel bei sichtbaren Veränderungen oder nach längerer Hitzebelastung nicht einfach weiter. Im Zweifelsfall lieber ein neues Medikament besorgen, um gesundheitliche Risiken zu vermeiden.
Welche Arzneiformen reagieren besonders empfindlich auf Hitze?
Feste Arzneimittel wie Tabletten sind in der Regel weniger empfindlich als flüssige oder halbfeste Produkte. Bei den folgenden Arzneiformen ist besondere Aufmerksamkeit gefragt:
- Medizinische Cremes und Salben: Die Bestandteile können sich durch Hitze trennen. Cremes können ölig werden oder sich verflüssigen. Eine gleichmäßige Wirkstoffverteilung ist nicht mehr gegeben.
- Säfte, Tropfen und Lösungen: Die meisten flüssigen Arzneimittel reagieren empfindlich auf Wärme und Sonnenlicht. Bewahren Sie diese entsprechend den Lagerhinweisen kühl und lichtgeschützt auf. Notieren Sie nach dem ersten Öffnen das Öffnungsdatum auf der Verpackung und beachten Sie die angegebene Haltbarkeit nach Anbruch.
- Sprays: Extreme Hitze kann bei einigen Asthma- und Nasensprays die Dosiergenauigkeit beeinträchtigen. Dosieraerosole wie Deosprays stehen unter Druck und sollten nie direkter Sonneneinstrahlung oder konstant hohen Temperaturen ausgesetzt werden.
- Wirkstoffpflaster: Wärme kann die Hautdurchblutung verstärken und dadurch die Aufnahme des Wirkstoffs beschleunigen. Starkes Schwitzen kann zudem dazu führen, dass ein Pflaster nicht mehr richtig haftet.
- Kühlpflichtige Medikamente: Bestimmte Arzneimittel müssen durchgehend bei einer vorgeschriebenen Temperatur gekühlt werden. Dazu zählen beispielsweise Insuline, Impfstoffe, Biologika, bestimmte Augentropfen und einige flüssige Arzneimittel. Beachten Sie immer die konkreten Lagerhinweise.
Übrigens: Auch Beauty-Produkte können empfindlich auf Hitze reagieren. Es kann daher sinnvoll sein, leichte Feuchtigkeitscremes bei starker Hitze kurzzeitig im Kühlschrank aufzubewahren. Vorsicht ist geboten bei reichhaltigen Pflegeprodukten, da sich das Wasser-Fett-Gemisch bei Kälte trennen kann.
So lagern Sie Ihre Hausapotheke richtig

Bewahren Sie Ihre Medikamente in trockener, möglichst kühler und dunkler Umgebung auf. Geeignete Orte sind der Flur und das Schlaf- oder Wohnzimmer. Die Medikamentenaufbewahrung im Badezimmer ist nicht optimal, da die Luftfeuchtigkeit und Temperatur stark schwanken. Um die Produkte vor Sonnenstrahlung zu schützen, ist die Aufbewahrung im Schrank oder in einer Box optimal. Lassen Sie die Arzneimittel in der Originalverpackung, da diese zusätzlich vor Sonnenstrahlung schützt und Informationen wie Verfallsdatum, Chargennummer und Lagerhinweise erhalten bleiben.
Bei der Medikamentenaufbewahrung gilt: Warme Orte meiden!
Medikamente gehören weder an milden noch an heißen Tagen in ein geparktes Auto. Handschuhfach, Mittelkonsole und Kofferraum können sich innerhalb kurzer Zeit stark aufheizen und sind deshalb weder für die kurzzeitige noch für die dauerhafte Medikamentenaufbewahrung geeignet. Deshalb bei Hitze, Medikamente nach dem Einkauf in der Apotheke oder der Abholung des Versandpakets direkt in die Wohnung bringen oder eine geeignete Kühltasche für unterwegs nutzen. Auch in schlecht gedämmten Räumen oder Dachgeschosswohnungen können die Temperaturen während einer Hitzewelle schnell steigen. Bewahren Sie Medikamente deshalb nie auf dem Fensterbrett auf. Wählen Sie den kühlsten Raum in der Wohnung und lagern Sie die Medikamente in einer Styroporbox oder einer passiven Kühltasche ohne Kühlakkus möglichst weit unten im Schrank.
Welche Medikamente dürfen bei Hitze tatsächlich in den Kühlschrank?
Ausschließlich kühlpflichtige Arzneimittel mit dem Hinweis „Im Kühlschrank lagern“ gehören dauerhaft dorthin. Das betrifft unter anderem bestimmte Augentropfen, Antibiotikasäfte und Insulin. Aufgrund der Temperaturschwankungen die Medikamente möglichst nicht in der Kühlschranktür aufbewahren. Besser ist ein Platz im mittleren Fach mit etwas Abstand zur Rückwand. Gut gemeint ist nicht immer gut gelöst: Auch an besonders warmen Tagen ist es nicht sinnvoll, die gesamte Hausapotheke im Kühlschrank zu lagern. Die meisten Tabletten, Kapseln, Pulver oder Brausetabletten vertragen die hohe Luftfeuchtigkeit nicht. Lösungen oder Gele können bei zu niedriger Temperatur ihre Konsistenz verändern. Deshalb lautet die Grundregel: Erst Packung und Beipackzettel prüfen, dann entscheiden:
- „Bei Raumtemperatur lagern" /„Nicht über 25 °C lagern“: Kurzzeitige geringfügige Temperaturüberschreitungen sind bei einigen Präparaten unproblematisch. Eine pauschale Aussage dazu ist jedoch nicht möglich. Vermeiden Sie länger anhaltende Hitze und fragen Sie nach einer deutlichen oder längerfristigen Überschreitung der empfohlenen Temperatur bei Ihrem Arzt, Ihrer Ärztin oder in einer Apotheke nach.
- „Im Kühlschrank lagern“: Kühlpflichtige Medikamente sollten bei einer Temperatur von 2 bis 8 °C gelagert werden. Wichtig: Nicht einfrieren! Deshalb mit etwas Abstand zur Kühlschrankrückwand lagern. Sollten Arzneimittel versehentlich zu kalt gelagert worden sein, ist ein medizinischer Rat vor der weiteren Einnahme sinnvoll.
Sommertipp für Arzneibestellungen bei Versandapotheken:
Nach der Zustellung das Paket mit den Arzneimitteln möglichst schnell annehmen und in die Wohnung bringen. Es sollte nicht unnötig lange in der Sonne, im Auto, vor der Haustür, in einer nicht-klimatisierten Post-Filiale oder in einer aufgeheizten Paketbox liegen.
Kann Hitze die Medikamentenwirkung beeinflussen?
Extrem hohe Temperaturen beeinflussen nicht nur die Medikamentenqualität, sondern auch den menschlichen Körper. Bei andauernder Sommerhitze erweitern sich die Blutgefäße und der Blutdruck kann sinken. Außerdem verliert der Körper durch stärkeres Schwitzen Flüssigkeit und Salze. Das kann die Medikamentenaufnahme und die Wirkstoffverteilung im Körper beeinflussen. Dieser Aspekt ist besonders wichtig für ältere Menschen, chronisch Erkrankte und Personen, die regelmäßig mehrere verschreibungspflichtige Medikamente einnehmen. Medikamente wirken während einer Hitzeperiode nicht automatisch anders. Die Reaktion des Körpers auf sie kann sich allerdings unter den veränderten Bedingungen verstärken oder verändern. Besondere Vorsicht ist bei Arzneimitteln geboten, die den Kreislauf, den Flüssigkeitshaushalt, die Nierenfunktion oder die Temperaturregulation beeinflussen:
- Blutdruck- und Herz-Kreislauf-Medikamente: In längeren Hitzeperioden erweitern sich die Blutgefäße. Das ist die Grundvoraussetzung dafür, dass der Körper Hitze abgeben kann. Eine mögliche Folge ist ein leicht sinkender Blutdruck. Werden zusätzlich blutdrucksenkende Medikamente eingenommen, verstärkt sich der Effekt. Wer Kreislaufprobleme bemerkt, sollte sich deshalb umgehend einen medizinischen Rat einholen.
- Diuretika: Diese Medikamente fördern die Wasserausscheidung. Das kann während einer länger andauernden Hitzeperiode im ungünstigsten Fall zu Flüssigkeitsmangel und Elektrolytverschiebungen führen. Ältere Menschen und Personen mit Herz- oder Nierenerkrankungen sollten besonders auf Warnzeichen wie Schwindel, Schwäche und Kreislaufprobleme achten.
- Anticholinergika und Antidepressiva: Acetylcholin-Hemmer kommen bei Erkrankungen wie Asthma, Reizdarmsyndrom, COPD und Parkinson zum Einsatz. Da diese Arzneimittel als Nebenwirkung das Schwitzen vermindern oder die Temperaturregulierung beeinflussen können, ist bei Hitze besondere Vorsicht geboten. Auch einige Antidepressiva und andere Psychopharmaka können das Temperaturempfinden oder die Temperaturregulation beeinflussen.
- Schmerzmittel : Bei Einnahme von Ibuprofen oder Diclofenac sollte auf genug Flüssigkeitszufuhr geachtet werden, damit die Nieren nicht belastet werden. Wer gleichzeitig entwässernde Medikamente einnimmt oder an einer Nierenerkrankung leidet, sollte sich vor der Einnahme einen ärztlichen oder pharmazeutischen Rat einholen.
- Medikamente, die die Lichtempfindlichkeit erhöhen: Bestimmte Antibiotika, einige Herz-Kreislauf-Mittel, manche Psychopharmaka, Aknetherapeutika und einige entzündungshemmende Salben können die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. Meiden Sie während der Anwendung intensive und direkte Sonneneinstrahlung und achten Sie auf einen geeigneten Sonnenschutz.
Wenn Sie während einer Hitzewelle Beschwerden wie Schwindel, Kreislaufprobleme, starke Schwäche, eine ungewöhnlich geringe Urinausscheidung oder Herzklopfen bemerken, holen Sie sich schnellstmöglich einen medizinischen Rat. Verändern Sie die Dosierung Ihrer Medikamente niemals eigenständig. Eine Anpassung darf nur nach Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt erfolgen! [2]
FAQ zu Medikamente und Hitze
Darf ich Medikamente bei Sommerhitze im Kühlschrank lagern?
Nur, falls die Kühlschranklagerung für das konkrete Präparat vorgesehen ist. Viele Arzneimittel vertragen Kälte und Feuchtigkeit nicht. Steht auf der Verpackung oder dem Beipackzettel „bei Raumtemperatur lagern“, ist ein kühler und trockener Schrank besser geeignet.
Können Medikamente bei Hitze schädlich oder unbrauchbar werden?
Hitze kann die Qualität, Wirksamkeit, Haltbarkeit oder Dosiergenauigkeit eines Arzneimittels beeinträchtigen. Ob ein Präparat nach einer Hitzebelastung noch sicher angewendet werden kann, lässt sich nicht pauschal beurteilen. Verwenden Sie Medikamente bei sichtbaren Veränderungen oder nach längerer falscher Lagerung nicht weiter, ohne zuvor fachlichen Rat einzuholen.
Kann Hitze die Medikamentenwirkung beeinflussen?
Indirekt ja, denn hohe Temperaturen können den Kreislauf und den Flüssigkeitshaushalt belasten und dadurch die Wirkung oder Verträglichkeit bestimmter Medikamente indirekt beeinflussen. Besondere Aufmerksamkeit ist unter anderem bei Blutdrucksenkern, Diuretika, bestimmten Psychopharmaka und Schmerzmitteln erforderlich. Lassen Sie auftretende Beschwerden medizinisch oder in einer Apotheke abklären und ändern Sie die Dosierung niemals eigenständig.
Können Medikamente aus der Reiseapotheke auch nach dem Sommerurlaub genutzt werden?
Das hängt davon ab, ob die empfohlenen Lagerbedingungen während der Reise eingehalten wurden. Wurden Medikamente längere Zeit im heißen Auto, in direkter Sonne oder deutlich oberhalb der vorgeschriebenen Temperatur gelagert, sollten sie nicht ungeprüft weiterverwendet werden. Lassen Sie sich im Zweifel von Ihrem Arzt, Ihrer Ärztin oder in einer Apotheke beraten.
Weiterführende Informationen
Hitzeschutztipps aus der Apotheke (ABDA):
https://www.abda.de/fileadmin/user_upload/assets/Katastrophenschutz/Hitze/Patienteninformation_Hitzeschutz_Botendienst.pdf
Quellenangaben & Einzelnachweise
Fußnoten:
1 Vgl. Bundesministerium für Gesundheit (BMG): Arzneimittel richtig aufbewahren und entsorgen, Stand: 26. Februar 2026, online unter: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/arzneimittelentsorgung-und-aufbewahrung (abgerufen am 10. Juli 2026).
2 Vgl. Stadt Dortmund – Gesundheitsamt: Umgang mit Medikamenten bei Hitze, Stand: Juli 2025, online unter: https://www.dortmund.de/dortmund/projekte/rathaus/verwaltung/gesundheitsamt/downloads/umgang_mit_medikamenten_bei_hitze.pdf (abgerufen am 10. Juli 2026).
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