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„Lorano oder Cetirizin?“ – oft gefragt, ausführlich beantwortet

Lorano oder Cetirizin: Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Für Heuschnupfen-Geplagte ist es kein Geheimnis: In Apotheken sind verschiedene rezeptfreie Tabletten gegen die allergischen Symptome erhältlich. Darunter das bekannte Lorano®, das je nach Produktvariante mit dem Wirkstoff Loratadin bzw. Desloratadin versehen ist, und viele generische Medikamente mit dem Wirkstoff Cetirizin bzw. Levocetirizin. Wir erhalten sowohl von Neu-Allergikern, wie auch von langjährigen Heuschnupfen-Patienten Anfragen dazu, welche Wirkstoffe welchen Heuschnupfen-Tabletten-Marken eigentlich zugrunde lägen und worin genau die Unterschiede bei der Wirkweise bestünden. Niesend, schnäuzend und tränend bitten sie um Rat, welches Arzneimittel für sie das richtige ist. Hier unsere umfassende Antwort zum Nachlesen in aller Ruhe.

 

Lorano und Cetirizin für Eilige: Von Marken und Wirkstoffen

Oft wird das pharmazeutische Volksversand-Team gefragt: „Was ist besser: Lorano oder Cetirizin?“ Um der Antwort auf diese Frage näherzukommen, bedarf es jedoch erst einmal der Entwirrung der Begrifflichkeiten. Lorano® ist eine geschützte Handelsmarke für verschiedene rezeptfrei erhältliche Medikamente gegen Allergie in Tablettenform. Derzeit sind zwei auf dem Markt: Lorano® akut, das mittels Loratadin wirkt und Lorano® Pro, das mittels Desloratadin (Descarboethoxyloratadin, DCL), einem aktiven Metaboliten des H1-Antihistaminikums Loratadin (dazu unten mehr) wirkt. Kurz: Lorano® ist schlicht ein Markenname für Arznei, deren Wirkung auf (Des-)Loratadin basiert. Natürlich gibt es auch andere Medikamente als Lorano®, welche die Wirkstoffe Loratadin oder Desloratadin enthalten. Manche davon tragen den Wirkstoff sogar direkt im Markennamen, wie etwa Desloratadin-ratiopharm oder Loratadin 10 Heumann. Cetirizin wiederum ist der Name eines anderen Wirkstoffs, der sich bei Allergiebeschwerden bewährt hat. Es handelt sich sogar um den beliebtesten Wirkstoff zum Einnehmen bei Allergieproblemen. Daher – und weil viele Produkte wie beispielsweise Cetirizin HEXAL® ihn aufgrund seiner Bekanntheit direkt im Markennamen führen – wird das Wort „Cetirizin“ von Laien oft ausschließlich als Markenname begriffen und nicht in seiner Eigenschaft als Bezeichnung für den zugrundliegenden Wirkstoff verstanden. Es gibt jedoch auch Medikamente mit dem Wirkstoff Cetirizin, die das Wort nicht prominent im Markennamen führen, wie Zyrtec oder Reactine zum Beispiel. Auch vom Wirkstoff Cetirizin existiert eine Variante: Levocetirizin. Es handelt sich dabei um eine Molekülvariante, chemisch genauer: Um das aktive Enantiomer des Cetirizins. Die meisten Medikamente mit diesem Wirkstoff tragen den Wirkstoffnamen direkt im Produktnamen wie beispielswiese Levocetirizin HEXAL® oder Levocetirizin-ratiopharm.

Damit sei festgehalten, dass zahlreiche Hersteller (Des-)Loratadin- und (Levo-)Cetirizin-Generika unter diversen Markennamen anbieten, welche Sie selbstverständlich auch in unserer Versandapotheke ohne Rezept erhalten. Die meisten Generika führen die Freinamen der Wirkstoffe im Produktnamen und sind somit auch für Laien gut einzuordnen: (Des-)Loratadin und (Levo-)Cetirizin. Und um die geht es nun.

Was ist Heuschnupfen? Kleiner Exkurs in die Allergologie

Um verstehen zu können, was genau die Unterschiede in der Wirkweise zwischen Desloratadin, Loratadin und Levocetirizin und Cetirizin sind, kann es nicht schaden, den Fokus zunächst auf die Frage zu richten, wie Allergien entstehen, was sich dabei genau im Körper abspielt und wie Antihistaminika in das Geschehen eingreifen. Anschließend kommen wir ausführlich auf die genannten Wirkstoffe und ihre individuellen Besonderheiten zu sprechen.

Allergien sind verbreitet: Fast jeder Dritte in Deutschland entwickelt im Lebensverlauf eine Allergie. 15 von 100 Erwachsenen leiden zu irgendeiner Zeit unter Pollenallergie (Pollinose). Bei den Jüngeren sind es 11 von 100. Der Heuschnupfen ist auch die am häufigsten diagnostizierte Allergie und beschränkt sich nicht bloß auf Gräserpollen1.

Sofort-Alarm auf gelernte Fremdstoffe: Typ-I-Allergien

Die Gene haben es ihnen in die Wiege gelegt: „Heuschnupfer“ reagieren innerhalb kürzester Zeit heftig auf Kontakt mit „ihrem“ Allergen. Dasselbe gilt für andere sogenannte atopische Allergiker. 90 Prozent aller Allergie-Erkrankten leiden unter diesem Soforttyp, auch Typ-I-Allergie genannt2. Er ist damit bei Weitem der häufigste Allergie-Typ. Kaum draußen an der frischen Luft, schon zeigen sich die Kennzeichen eines Heuschnupfens (allergische Rhinitis): Unmittelbar nach Allergenkontakt schwillt die Nase zu und beginnt fließend zu laufen, starker wiederholter Niesreiz unterbricht jedes Tun. Häufig jucken, tränen und röten sich dazu die Augen. Dann handelt es sich um eine allergische Rhinokonjunktivitis, eine Kombination aus Heuschnupfen und allergischer Bindehautentzündung. Die typische Pollenallergie ist saisonal, doch ganzjährige (persistente) Formen nehmen zu.

Zum Soforttyp gehören unter anderem auch allergischer Schnupfen (allergische Rhinitis) durch Auslöser wie Tierhaare oder Hausstaubmilben, allergische Bindehautentzündungen (allergische Konjunktivitis), Nesselsucht (Urticaria), Insektengiftallergien, allergisches Asthma und allergischer Schock (Anaphylaxie)3.

Irgendwann einmal hat das Immunsystem nach einem Erstkontakt mit dem eigentlich harmlosen Allergen Antikörper gebildet und meist unbemerkt eine Sensibilisierung vollzogen. Diese Antikörper (bei Allergie-Typ-I sind es Immunglobuline E, kurz IgE) sitzen von nun an auf der Oberfläche von Mastzellen überall im Körper. Sie erkennen den vermeintlichen „Feind“ an Haut und Schleimhaut auf Anhieb wieder und binden sie. Dabei lösen sie sofort Alarm aus und veranlassen ihre Mastzellen, um verschiedene Botenstoffe für Entzündungsreaktionen freizusetzen. Dazu zählt vor allem Histamin: eines unserer Gewebshormone und Neurotransmitter.

Histamin ist ein Schlüssel für Sofortreaktionen

Histamin ist Teil unseres abwehrfähigen Immunsystems gegen Bakterien und Parasiten und hat vielerlei bedeutende Funktionen zu erfüllen. Es vermittelt unterschiedliche Aktionen, sobald es wie ein Schlüssel an ganz spezielle „Schloss“-Proteine andockt: die Histamin-Rezeptoren. Auf diese Weise aktiviert, setzen Histamin-Rezeptoren daraufhin Folgereaktionen in Gang. Sie sind auf Zellen diverser Organsysteme verteilt und das in bisher vier bekannten Versionen (H1 bis H4). Die größte Rolle bei Soforttyp-Allergien wiederum spielen diejenigen H1-Rezeptoren, die in Blutgefäßen der Haut und Schleimhäute und in den Bronchien sitzen. Die quälenden Symptome sind Folge einer überschießenden Immunantwort, die wie ein Uhrwerk und in Kaskaden abläuft.

Die aktivierten H1-Rezeptoren sind hauptverantwortlich für:

  • Rötungen
  • Schwellungen (Ödeme)
  • Haut-Blasen und -Quaddeln (Urticaria)
  • Juckreiz (Pruritus)
  • Verengung der Bronchien: Atemnot
  • Durchfall
  • Brechreiz

 

Was ist gegen Allergien zu tun?

Dem Auslöser einer Allergie aus dem Weg zu gehen ist zwar die beste Gegenstrategie, die wir kennen, allerdings ist sie oftmals einfach nicht durchführbar. Antiallergika können die Beschwerden durch Eingriffe an unterschiedlichen Stellen der Reaktionsketten unterdrücken – wenn auch nicht ursächlich beheben. Unter mehreren davon stehen Antihistaminika, z.B. solche mit den Wirkstoffen Loratadin und Cetirizin, für einen der wichtigsten Wirkansätze. Zu weiteren Möglichkeiten finden Sie mehr in unserem Ratgeberbeitrag „Heuschnupfen: Behandlung und Therapie der Allergie“. Unser pharmazeutisches Beratungsteam berät Sie gern zur Vielfalt im rezeptfreien Angebot an Medikamenten gegen Allergie. Bessern sich die Beschwerden jedoch nach 2 Wochen nicht, suchen Sie bitte unbedingt einen Arzt auf.

Was können Antihistaminika?

Antihistaminika bremsen die Weitergabe der Alarm-Botschaft von Histamin an seine Rezeptoren. Sie besetzen die Reaktionsvermittler und hindern sie daran, aktiv oder zumindest überaktiv zu werden. Alternative Bezeichnungen für diese Andock-Proteine lauten auch Histamin-Rezeptorblocker oder Histamin-Rezeptorantagonisten. Antihistaminika speziell gegen Allergien zielen auf die H1-Rezeptoren ab. Das direkt am Kontaktort ausgeschüttete Histamin kann so nicht mehr die typischen allergischen Reaktionen vermitteln: Akute quälende Beschwerden gehen zurück, neue treten erst gar nicht auf.

Generation 1

Die älteren und ersten Antihistaminika gegen Allergie (Clemastin, Dimetinden, Hydroxyzin und weitere) wirken zwar erfolgreich gegen die charakteristischen Symptome. Allerdings zirkulieren sie im gesamten System und hemmen nicht nur die anvisierten H1-Rezeptoren der betroffenen Körperregionen. Sie unterscheiden nicht perfekt zwischen Histamin-Andockstellen der weiteren drei Bauarten, die für andere bedeutende Aufgaben verantwortlich sind. Antihistaminika dieser ersten Generation können obendrein die Blut-Hirn-Schranke leicht überwinden. Daher behindern sie wichtige Funktionen von Histamin im Zentralnervensystem. Besonders der Schlaf-Wach-Rhythmus ist davon betroffen.

Die häufige Folge sind recht ausgeprägte unerwünschte Wirkungen auf das Gehirn, das Herz-Kreislaufsystem und den Magen-Darm-Trakt: Müdigkeit und Benommenheit (Sedierung), Gewichtszunahme (Appetit-Steigerung), Schwindel, Mundtrockenheit, Harnverhalt oder Durchfall, teils auch Herzrhythmusstörungen. Das Hauptproblem jedoch ist die Sedierung. Denn nach der Einnahme lassen bei sehr vielen Anwendern Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit stark nach, Schläfrigkeit macht sich breit. An komplexe Arbeiten, Bedienung von Maschinen oder gar Autofahren ist nicht zu denken. Um Vollzeitschutz über die Tage der schlimmsten Pollen-Wochen zu erreichen, müssen die älteren Mittel zudem mehrmals täglich verabreicht werden. Andererseits lieferten sie die Grundlage für hilfreiche Medikamente in anderen Einsatzgebieten: zur Beruhigung (Doxylamin, Diphenhydramin), gegen Angstzustände, Schwindel oder Erbrechen (Dimenhydrinat, Promethazin, Meclozin) beispielsweise. So werden Neben- bisweilen auch zu Hauptwirkungen.

Generation 2

Sowohl Loratadin als auch Cetirizin zählen zur zweiten Generation Antihistaminika. Substanzen der älteren Generation dienten auch ihnen als Basis-Vorlage. Chemische Anpassungen machten sie zu sehr nützlichen Antiallergika, die weit besser verträglich und länger wirksam sind. Beide helfen Typ-I-Allergikern bereits seit Beginn der 1990er Jahre, damals noch verordnungspflichtig. Mit der längeren Erfahrung zu Sicherheit und Verträglichkeit erhielten Cetirizin und Loratadin rund 10 Jahre später die Freigabe zur Selbstmedikation aus der Apotheke. Bei Levocetirizin und Desloratadin kann man von einer Weiterentwicklung der zweiten Generation sprechen. Beide Wirkstoffe sind noch nicht ganz so lange im Handel und wurden entsprechend erst 2019 bzw. 2020 aus der Rezeptpflicht entlassen.

(Des-)Loratadin- und (Levo-)Cetirizin: Beide Tabletten im Vergleich

Der damalige Fortschritt der zweiten Antihistaminika-Generation war: Diese Moleküle wirken zielgenauer und anhaltender. Sie gelangen nur in geringem Ausmaß ins Gehirn, sodass sie kaum bis keine dämpfende Wirkung entfalten. Auch andere zentralnervöse Folgeerscheinungen sind in den Hintergrund gerückt und seltener geworden, wenn auch von Anwender zu Anwender unterschiedlich ausgeprägt.

Beide sind sehr viel selektiver für die Ziel-Rezeptoren vom Typ H1. Dadurch reduzieren sich Wirkungen durch „Verwechslung“ mit anderen Rezeptor-Unterarten H2 und H3: Herz-Effekte und Beeinträchtigungen der Verdauung. Über die lange Erfahrungszeit wurden praktisch keine Wechselwirkungen mit Arzneistoffen beobachtet. Nehmen Sie noch weitere Medikamente ein, müssen Sie also in diesem Zusammenhang nichts weiter berücksichtigen. Hinzu kommt, dass diese beiden neueren Antihistaminika offenbar weitere Entzündungs- und Abwehrvermittler günstig beeinflussen und Spätreaktionen hemmen. Positiv ist auch die schnell einsetzende und länger anhaltende Wirkung. Erwachsene brauchen daher im Allgemeinen nur einmal täglich eine 10-Milligramm-Tablette einzunehmen.

Pluspunkte von Loratadin und Cetirizin im Vergleich zu Antihistaminika der Generation 1:

  • weniger bis keine Müdigkeit
  • Fahrtüchtigkeit kaum beeinträchtigt
  • sehr gut verträglich, auch für Kinder (richtig dosiert)
  • keine Wechselwirkungen
  • spätestens binnen 1,5 Stunden wirksam
  • nur 1 Tablette am Tag
  • Einnahme unabhängig von Mahlzeiten

 

Auch wenn es erste Hinweise auf eine gewisse Überlegenheit zur den Muttersubstanzen gibt: Die therapeutischen Vorteile von Desloratadin und Levocetirizin gegenüber Loratadin und Cetirizin werden derzeit als minimal eingestuft. Für gesicherte Erkenntnisse sind weitere Vergleichsstudien vonnöten. Daher legen wir nachfolgend den Fokus auf Loratadin und Cetirizin selbst.

Wichtig: Viele Erst-Betroffene nehmen ihren Heuschnupfen zunächst auf die leichte Schulter. Nur beim Auftreten schlimmerer Symptome greifen sie zu Medikamenten aus der Apotheke, jede Saison wieder. Unser Rat: Nehmen Sie Antihistaminika zu Ihrer Pollenflugphase schon vorbeugend und vor allem täglich ein.

Anwendungsgebiete und Wirksamkeit: Cetirizin-haltige Präparate leicht im Vorteil

Ihre zugedachte Aufgabe erfüllen beide Wirkstoffe nahezu gleich effektiv, sie sind über rund 24 Stunden sehr gut wirksam. Bei der Wirkweise gegen Heuschnupfen-Beschwerden lassen sich praktisch keine Unterschiede feststellen. Dennoch sind die Arzneistoffe pharmakologisch nicht identisch.

Die Wirkung von Cetirizin tritt bereits nach 30 bis 90 Minuten ein und hält im Vergleich länger an. Loratadin dagegen wird erst noch in der Leber zu einem wirksamen Stoff (dem Metaboliten Desloratadin) umgewandelt. Nach ein bis anderthalb Stunden zirkuliert er in Maximalkonzentration im Blut. Der Wirkeintritt von Cetirizin ist demnach etwas schneller als der von Loratadin.

Cetirizin verteilt sich besser im Gewebe. Es scheint insgesamt eine etwas ausgedehntere Wirksamkeit (Haut, Atemwege) und auch stärkere Wirkung zu zeigen als Loratadin4: Cetirizin ist bei Heuschnupfen zusätzlich zur Linderung allergischer Symptome der Augen zugelassen, Loratadin nicht. Hautreaktionen wie chronische Nesselsucht unbekannter Ursache reduzieren Cetirizin und Loratadin gleichermaßen nachweislich gut, bei mitunter leichtem Vorsprung von Cetirizin. Wenn Sie also unter Urticaria oder Heuschnupfen mit allergischer Bindehautentzündung leiden, könnte Cetirizin für Sie die bessere Wahl sein, sofern Sie es gut vertragen. Denn auch die Nebenwirkungen sind hier etwas stärker ausgeprägt, dazu kommen wir gleich.

Außerdem wird Cetirizin mit Erfolg bei der Behandlung von allergischem Asthma eingesetzt, dann allerdings in höheren Dosierungen.

Achtung: Cetirizin und Loratadin können einen Allergen-Hauttest (Pricktest, Scratchtest oder andere) verfälschen, indem sie die zu prüfende Reaktion verhindern oder abschwächen. Setzen Sie die Einnahme daher mindestens 2 bis 3 Tage vor einem geplanten Hauttest aus.

Dosierung und Anwendung

Erwachsene und über 12-jährige Jugendliche nehmen üblicherweise täglich eine Tablette mit 10 Milligramm Cetirizin oder Loratadin mit einer beliebigen Flüssigkeit ein. Dabei müssen Sie Mahlzeiten nicht berücksichtigen. Auch bei Levocetririzin und Desloratadin wird täglich eine Tablette bei Erwachsenen empfohlen, jedoch beinhaltet eine Tablette hier nur 5 Milligramm Wirkstoff für den gleichen Effekt. Cetirizin ist auch als Tropfen erhältlich. Hier entspricht die Einmaldosis bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren einmal täglich 20 Tropfen. Leiden Sie unter Nierenschwäche oder Einschränkungen der Leberfunktion, sind bei Cetirizin und Levocetirizin je nach Schweregrad Dosisanpassungen notwendig. Mehr dazu erfahren Sie weiter unten.

Für Kinder sind unterschiedliche Dosierungen zu beachten.

Cetirizin und Levocetirizin: Kinder von 6 bis 12 Jahren nehmen ebenfalls 1 Filmtablette täglich. Bei Cetirizin wird empfohlen, die Tablette auf zwei Einzelgaben von je einer halben Tablette zu verteilen. Für jüngere Kinder sind die Tabletten nicht vorgesehen, hier eignen sich „kinderfreundlichere“ Säfte oder Tropfen-Präparate mit Cetirizin zum feineren Dosieren. Sollten Sie auf Tropfen zurückgreifen, so nehmen Kinder zwischen 6 und 12 Jahren 2 Mal täglich 10 Tropfen und Kinder von 2 bis 6 Jahren 2 Mal täglich 5 Tropfen ein.

Loratadin und Desloratadin: Beim Loratadin ist bei Kindern von 2 bis 12 Jahren eine Körpergewicht-Schwelle von 30 Kilogramm entscheidend. Über 30 Kilogramm wiegende Kinder erhalten eine ganze Tablette am Tag, leichtere eine halbe Tablette (5 Milligramm) täglich. Flüssige Darreichungsformen gibt es von Loratadin nicht. Bei Desloratadin gilt für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren: 1 Tablette am Tag. Eine freiverkäufliche Lösung gibt es derzeit nicht. Gut zu wissen: Für diesen Wirkstoff liegen nur eingeschränkte Erfahrungen aus klinischen Studien zur Wirksamkeit bei Jugendlichen von 12 bis 17 Jahren vor. Die Sicherheit und Wirksamkeit von Desloratadin bei unter 12-Jährigen ist noch nicht erwiesen.

Wichtig: Hartnäckige allergische Rhinitis, die sich nach zwei Wochen nicht bessert und alljährlich wiederkehrt, gehört in ärztliche Therapie. Denn ein Heuschnupfen kann sich ausdehnen: Allergischer Schnupfen chronifiziert oft, wird stärker und weitet sich auf zusätzliche Auslöser (Kreuzallergene) aus. Oder er wechselt in die tieferen Atemwegsetagen und entwickelt sich zu allergischem Asthma mit Atemnot-Anfällen. Auch ein lebensgefährlicher allergischer (anaphylaktischer) Schock kann drohen. Nur ein Arzt kann Ihnen helfen, gravierenden Verschlimmerungen vorzubeugen und die Immunreaktion zu normalisieren, rezeptfreie Selbstmedikation dagegen nicht.

Häufigste Nebenwirkungen im Vergleich: klarer Vorteil für Loratadin-haltige Präparate wie Lorano®

Sowohl Cetirizin als auch Loratadin werden von den allermeisten Nutzern ausgezeichnet vertragen. Dennoch sind Nebenwirkungen möglich.

Unter Cetirizin5 öfter beobachtete Nebenwirkungen sind:

  • Schläfrigkeit (unter 10 Prozent)
  • Kopfschmerzen (7 Prozent)
  • Mundtrockenheit (2 Prozent)
  • Müdigkeit (2 Prozent)

 

Schläfrigkeit macht sich unter Cetirizin meist nur leicht bis mäßig bemerkbar und beeinträchtigt im Alltag nicht. Sollten Sie etwas empfindlicher reagieren, dann nehmen Sie Ihre Tablette am besten zum Abend ein. Weitere Nebeneffekte wie Schnupfen, Halsschmerzen, Ausschlag oder Rötungen treten seltener auf.

Auch bei Loratadin ist Schläfrigkeit der häufigste Nebeneffekt, mit nur 1 Prozent jedoch im unteren Häufigkeitsbereich6. Loratadin gilt daher auch als nicht sedierend7. Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Appetitsteigerung und Schlaflosigkeit sind selten (unter 1 Prozent).

Einfluss auf Verkehrstüchtigkeit und Bedienungsfähigkeit von Maschinen

Obwohl sie nur geringfügig durch die Blut-Hirn-Schranke ins Hirngewebe gelangen, sind die typischen dämpfenden Wirkungen von Antihistaminika nicht völlig auszuschließen. Die in Studien beobachteten Häufigkeiten sind sehr uneinheitlich, doch wenn zentrale Effekte auftraten, dann eher unter Cetirizin.

Übrigens: Alkohol kann die Durchlässigkeit der Hirnbarriere individuell noch erhöhen. Unter Alkohol-Blutspiegeln von 0,5 Promille konnte man zwar keine Effekte nachweisen. Von mehr als einem Glas Bier oder Wein zusammen mit der Cetirizin-Heuschnupfentablette ist dennoch abzuraten.

Klinische Studien untersuchten den Einfluss von Cetirizin auf die Fähigkeit Fahrzeuge oder Maschinen zu bedienen, allgemeine Aufmerksamkeit und Wachsamkeit. Zeichen einer Einschränkung waren dabei nicht festzustellen. Wenn Sie dennoch individuell mit Schläfrigkeit reagieren sollten, beobachten Sie bitte, ob Sie voll leistungs- und reaktionsfähig sind. Nehmen Sie die tägliche Tablette abends zum Schlafengehen und vermeiden Sie den Genuss von Alkohol.

Wer Loratadin oder Cetirizin nicht oder nur eingeschränkt anwenden darf

Sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Arzt, wenn Sie nicht sicher sind, ob und inwieweit die folgenden Bedingungen auf Sie oder Ihr Kind zutreffen.

Gegenanzeigen: kein Cetirizin bei schweren Nierenfunktionsstörungen

Cetirizin oder Levocetirizin dürfen Sie nicht anwenden bei schwerer Nierenschwäche. Auch von der Einnahme von Desloratadin ist in diesem Fall eher abzusehen. Für Loratadin sind keine Gegenanzeigen angegeben. Wobei wie immer hier gilt: Bei bekannten Überempfindlichkeiten gegen Inhaltsstoffe und deren Verwandte nicht einsetzen. Über mögliche Alternativen berät unser pharmazeutisches Beratungsteam oder Ihr Arzt Sie gern.

Der Hintergrund: Sind die Organe Leber oder Nieren nicht voll funktionstüchtig, können sich Substanzen im Organismus anreichern. Beide Wirkstoffe verhalten sich hierin recht unterschiedlich. Cetrizin wird hauptsächlich über die Nieren ausgeschieden, die Substanz selbst von der Leber modifiziert. Daher müssen Menschen mit mäßiger Nierenschwäche oder gleichzeitiger Nieren- und Leberschwäche die Dosis reduzieren oder auf Loratadin wechseln. Loratadin verlangt nur bei schweren Leberfunktionsstörungen eine Dosisanpassung. Ihr Arzt wird Ihnen dabei helfen.

Zurückhaltung bei weiteren Erkrankungen

Patienten mit Prostatavergrößerung oder Rückenmarksverletzungen haben oft Schwierigkeiten mit der Harnentleerung. Cetirizin kann die Neigung zu Harnverhalt erhöhen, wie auch zu Krampfanfällen. Daher sollten Menschen mit Epilepsie Cetirizin ebenfalls nicht ohne ärztlichen Rat anwenden.

Ähnliches gilt für Loratadin bei schwerer Leberschwäche.

Was gilt für Schwangere und Stillende?

Weder die langjährigen Erfahrungen mit Cetirizin noch Loratadin ergaben Hinweise auf eine schädliche Wirkung. Beide Wirkstoffe gehen in die Muttermilch über. Nebenwirkungen sind beim Säugling daher nicht ganz auszuschließen. Gehen Sie besser auf Nummer sicher und verzichten Sie während der Schwangerschaft und Stillzeit möglichst auf die Einnahme.

Fazit: „Lorano oder Cetrizin?“ – Es kommt darauf an!

Welches Antiallergikum nun zu Ihnen passt? Letztlich bestimmen die individuelle Verträglichkeit und anderweitige Anwendungsbeschränkungen darüber. In der Wirkstärke und Breite der Einsatzgebiete sind die Unterschiede jedenfalls gering, auch wenn Cetirizin ein leichtes Plus verbucht. Loratadin kann dagegen mit weniger Nebenwirkungen und Einschränkungen punkten. Müssen Sie hellwach und geistig topfit bleiben, ist Lorano® oder eine andere Marke, die (Des-)Loratadin beinhaltet womöglich Ihr Medikament. Sie haben noch Fragen? Dann kontaktieren Sie unser pharmazeutisches Beratungsteam gern per Telefon oder E-Mail.


Quellenangaben & Einzelnachweise
Fußnoten:
1 https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/UmweltKommission/Stellungnahmen_Berichte/Downloads/allergien_deutsch.pdf?__blob=publicationFile
2 https://www.daab.de/allergien/wichtig-zu-wissen/was-ist-das/allergie-typen/
3 https://www.allergieinformationsdienst.de/immunsystem-allergie/entstehung-von-allergien.html
4 Spencer CM, Faulds D, Peters DH. Cetirizine. A reappraisal of its pharmacological properties and therapeutic use in selected allergic disorders. Drugs. 1993 Dec;46(6):1055-80. doi: 10.2165/00003495-199346060-00008. PMID: 7510611 (https://link.springer.com/article/10.2165%2F00003495-199346060-00008)
5 Fachinformation Zyrtec 10 mg Filmtabletten
6 Fachinformation Loratadin-ratiopharm 10 mg Tabletten
7 Haria M, Fitton A, Peters DH. Loratadine. A reappraisal of its pharmacological properties and therapeutic use in allergic disorders. Drugs. 1994 Oct;48(4):617-37. doi: 10.2165/00003495-199448040-00009. PMID: 7528133 (https://link.springer.com/article/10.2165/00003495-199448040-00009)

Bildquelle: abdobestock.com - Albertsen Foto

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